Der Itzumer Bürgerhausverein

Am 1. Oktober 1973 lud der Beigeordnete Martin Haut im Namen der SPD-Fraktion die Gemeinderatsmitglieder zu einer Besichtigung des Dorfgemeinschaftshauses in Schliekum ein, um dort mit Bürgermeister Rolfs über Fragen der Planung und Finanzierung zu sprechen. Am 17. Dezember 1973 stand das Vorhaben auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Die Mehrheitsfraktion setzte andere Prioritäten: Straßenbau, Kindergarten, Sportstättenerweiterung. Sie bestritt den Bedarf zum gegenwärtigen Zeitpunkt und die Eignung des im Bebauungsplan Nr. 5 („Post“) vorgesehenen Standorts. Architekt Heinz Geyer, den der Gemeinderat mit der Entwicklung dieses Baugebiets, aber auch mit der Sportflächenerweiterung im Esperland, beauftragt hatte, wurde – mit Stimmenthaltung der drei SPD-Ratsherren – gebeten, dort „ein Mehrzweckgebäude (Dorfgemeinschaftshaus)“ zu entwerfen und bis Mitte Juni 1974 die Kosten zu veranschlagen.[1] Schon am 4. Februar 1974 beschloss der Gemeinderat – diesmal einstimmig – den „Architektenvertrag mit Herrn Geyer über Ortsgemeinschaftshaus und Sportzentrum“.
1977 war ein Grundstück im Bebauungsplan 196 für ein Gemeinschaftshaus reserviert worden, dort, wo heute die Katharina-von-Bora-Kirche steht. Der Ortsrat befürwortete den Grunderwerb.[2] Ein Vierteljahr später war der Ortsrat wieder beim Sportzentrum angelangt und beschloss, das dort geplante Gemeinschaftszentrum mit Räumen auszustatten, die sich für Sport, Jugendliche, Altenbegegnung und sonstige vorhandene Interessengruppen eigneten. [3] Das Sozialamt sah eine Kombination von Jugend- und Altenbegegnungsstätte grundsätzlich als ungünstig an, meinte aber auch, ihn Itzum lebe ein Großteil der älteren Bevölkerung im Familienverband, so dass eine Alteneinrichtung unnötig sei. Das Schulamt wandte dagegen grundsätzlich ein, dass nicht die Stadt, sondern der Sportverein als Bauherr auftreten müsse, weil er dann einen Anspruch auf eine 20-prozentige Bezuschussung der Stadt und weitere Zuschüsse des Landessportbundes hätte. Der Ortsrat kam überein, das Problem mit dem SC Itzum zu besprechen. [4]
Am 30. Juni 1977 übergab die Stadt dem SC Itzum zwei Rasenplätze, eine 100-Meter-Bahn, eine Weitsprunganlage und eine Kugelstoßanlage zur Benutzung. Der Ortsrat gab den Antrag des Vereins, dort auch ein Mehrzweckgebäude zu errichten, an die Stadt weiter, nicht ohne darauf hinzuweisen, „daß im Zeitpunkt der Eingemeindung eine Rücklage von 100.000 DM für das Ortsgemeinschaftshaus bestand“.[5] Am 5. Dezember 1979 drängte Ortsratsmitglied Reinhard Hessing, das Thema „Mehrzweckgebäude“ seitens der Stadt endlich zu bearbeiten. Ratsherr und Ortsrat Edmund Richers gab zu bedenken, dass die Stadt sich gerade mit eigenen Problemen beschäftige, wie Veranstaltungszentrum, Kreishaus und Schwimmbad. Außerdem planten die katholische und die evangelische Kirche jeweils ein Gemeindezentrum, und die vorhandenen Gastwirtschaften verfügten über je einen Saal.[6] Am Ende blieb es bei dieser Bestandsaufnahme. Der SC Itzum baute sein Clubhaus. Das bei der Eingemeindung versprochene Gemeinschaftszentrum kam nicht.
Fünfzehn Jahre später, am 28. Juni 1994, gründete Hans-Peter Dege zusammen mit Gleichgesinnten den „Förderverein für Jugend und Begegnung in Itzum e. V.“ Darin war die „Interessengemeinschaft Jugend- und Begegnungszentrum“ aufgegangen. Erklärtes Ziel war, für Itzum ein neues Stadtteilzentrum zu schaffen, für das man in einem Wettbewerb schon einmal einen Namen gefunden hatte: „Schrat“ sollte es heißen.[7] Auch diese Initiative versandete.
Aus dem Förderverein entstand am 14. März 2002 durch Namensänderung der Itzumer Bürgerhausverein. Die Gründungsveranstaltung in der Scharfen Ecke wählte Horst Schulz zum ersten Vorsitzenden. Ziel war zunächst die Errichtung eines eigenständigen Gebäudes zur Nutzung durch alle Itzumerinnen und Itzumer sowie der Vereine und Institutionen, denn öffentliche Räume fehlten schon damals in dem aufstrebenden Ortsteil mit seinen mittlerweile rund 9.000 Einwohnern. Da das bereits 1973 im Eingemeindungsvertrag zugesicherte Dorfgemeinschaftshaus nie realisiert wurde, war es höchste Zeit, etwas in Eigeninitiative zu unternehmen. Doch der Prozess gestaltete sich schwierig, da durch ein sozial engagiertes Itzumer Architekturbüro zwar konkrete Pläne für das Gebäude erstellt werden konnten, die Finanzierung aber erhebliche Fragen aufwarf.
Die ersten Jahre verliefen holprig. Die Sitzungen des Vereins fanden im damals unwirtlichen Vorraum der Heinrich-Engelke-Halle statt und die Mitgliederzahl entwickelte sich schleppend. Trotzdem legten sich Vorstand und Mitglieder ins Zeug und machten den Bürgerhausverein durch zahlreiche Aktionen in der Bevölkerung bekannt. Es wurden im Forum der Grundschule Filmabende angeboten, es fand ein großes Bürgerhauskonzert mit den bekannten Deistermusikanten statt, zahlreiche Zeitungsartikel wurden geschrieben und Broschüren verteilt.
Eine Wende bedeutete dann die Einrichtung eines Bürgertreffs in den Räumlichkeiten, die im Jahre 2000 zusammen mit der Heinrich-Engelke-Halle gebaut wurden. Zunächst waren dort drei Klassenzimmer für die Itzumer Grundschule eingerichtet. Diese Nutzung sollte sich ändern, falls der Bedarf der Grundschule geringer würde. 2005 war es soweit, und dem Bürgerhausverein wurden ein Klassenraum – später auch ein zweiter –, der Vorraum zur Sporthalle, die Küche sowie die Sanitäranlagen zur Nutzung überlassen. Mit der offiziellen Eröffnung im September mit einem gut besuchten Tag der offenen Tür begann die Entwicklung, die sich die Vereinsgründer Jahre zuvor gewünscht hatten.
Das Bürgerhaus wird seitdem intensiv genutzt. Der Wochenplan ist vielfältig und wird ständig erweitert. Mit einigen Angeboten ist der Kooperationspartner Evangelische Familienbildungsstätte beteiligt. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen zählen beispielsweise Seniorennachmittage, Gymnastik für Ältere, verschiedene Termine für American und Modern Linedance, mehrere Mal- und Zeichenkurse für alle Altersstufen, English Conversation Stunden. Ferienveranstaltungen wie die Zirkuswochen erweitern das Angebot. Etabliert haben sich nach kurzer Zeit der 14-tägige gemeinsame Mittagstisch und der AWO-Mitgliedertreff. Seit Jahren proben die Sänger der Männerchorgemeinschaft des Männergesangvereins St. Georg Itzum und der Singgemeinschaft Großer Saatner im Bürgerhaus und im Musikraum der Grundschule. Ebenfalls seit langer Zeit hat hier die Initiative Nachbarn helfen Nachbarn ihre Sprechstunden, die Tippkicker der TFG ʼ38 trainieren hier, und hier findet auch das gesamte Vereinsleben des Bürgerhausvereins statt. Auf dem Programm stehen die für jedermann offenen Monatstreffen mit unterschiedlichen Angeboten, die monatlichen Vorstandssitzungen und sonstige Zusammenkünfte und Feiern. Satzungsgemäß steht das Bürgerhaus auch für andere Vereine und Institutionen offen, insbesondere, wenn auf der neuen Veranstaltungsfläche vor der Heinrich-Engelke-Halle oder in ihr eine Veranstaltung durchgeführt wird wie das traditionelle Maifest, der Neujahrsempfang und der Weltkindertag des Ortsrates oder der Nikolausmarkt der Kolpingfamilie.

 Eine Zäsur bedeutete 2010 und 2012 die Rückgabe zunächst eines und dann des zweiten Bürgerhausraumes an die Schule, die als Ganztagsgrundschule mittlerweile einen erhöhten Raumbedarf hat. Im Gegenzug wurde von der Stadt der Vorraum zur Heinrich-Engelke-Halle zu einem zentralen Gemeinschaftsraum ausgebaut. Da hiermit nur noch eine Fläche für die Vereinsaktivitäten zur Verfügung steht, werden mittlerweile auch die Grundschule, die Heinrich-Engelke-Halle und die AWO-Kindertagesstätte Spandauer Weg genutzt.

Beim Feuerwehrumzug 2012
2beim Feuerwehrumzug2012


1] Sitzungsniederschrift Punkt Nr. 10, S. 9.
[2] Niederschrift der Arbeitssitzung am 24.1.1977, Punkt 3, S. 2; Aktenbestand Martin Haut.
[3] Sitzungsniederschrift, Punkt 5, S. 2.
[4] Sitzungsniederschrift vom 28.9.1977, Punkt 7a, S. 4.
[5] Reinhard Hessing, Arbeitspapier zum Bau des Mehrzweckgebäudes durch den SC Itzum… vom 17. Mai 1979; Aktenbestand Martin Haut.
[6] Sitzungsniederschrift vom 5.12.1979, Punkt 6, S. 30.
[7] ADH 9/1994, S. 4.